Kurz gesagt: Für Brennnesseljauche setzt du etwa 1 kg frische Brennnesseln mit 10 Litern Wasser an. Nach ungefähr 10 bis 14 Tagen ist die Gärung abgeschlossen. Zum Gießen verdünnst du die fertige Jauche in der Regel im Verhältnis 1:10, bei empfindlicheren Pflanzen und Kübelpflanzen besser 1:20.
Brennnesseljauche ist ein günstiger, natürlicher Stickstoffdünger für viele stark zehrende Gartenpflanzen. In dieser Anleitung erfährst du, wie du sie richtig herstellst, woran du die fertige Jauche erkennst, welche Pflanzen sie vertragen und wie du Geruch sowie typische Anwendungsfehler vermeidest.
Brennnesseljauche selber machen – das Wichtigste auf einen Blick
- Rezept: Etwa 1 kg frische Brennnesseln auf 10 Liter Wasser
- Gärzeit: Je nach Temperatur ungefähr 10 bis 14 Tage
- Fertig: Wenn kaum noch Bläschen aufsteigen und die Flüssigkeit dunkel ist
- Dosierung: Meist 1 Teil Jauche auf 10 Teile Wasser
- Geeignete Pflanzen: Vor allem Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbis, Kohl und Rosen
- Nicht verwenden: Bei jungen Keimlingen sowie möglichst nicht bei Bohnen, Erbsen, Zwiebeln und Knoblauch
- Geruch reduzieren: Täglich umrühren und etwas Gesteinsmehl darüberstreuen
Warum wirkt Brennnesseljauche als Dünger?
Während der Gärung werden Inhaltsstoffe der Brennnesseln in die Flüssigkeit überführt. Die fertige Jauche enthält vor allem Stickstoff sowie Kalium und weitere Mineralstoffe. Der natürliche Dünger unterstützt damit das Blatt- und Triebwachstum und eignet sich besonders für Pflanzen mit einem höheren Nährstoffbedarf.
Brennnesseljauche ist in erster Linie ein organischer Flüssigdünger. Trotzdem bleibt eine ausgewogene Bodenpflege wichtig. Kompost, Mulch und eine passende Grunddüngung bleiben wichtig. Wie du ausgelaugtes Substrat wieder verbesserst, zeigen wir dir im Ratgeber alte Erde neu aufbereiten.
Wichtig: Vollständig vergorene Brennnesseljauche und ein kurzer Brennnesselauszug sind nicht dasselbe. Zum Düngen verwendest du die vergorene Jauche. Gegen Blattläuse wird meist ein nur kurz angesetzter Auszug eingesetzt.
Zutaten und Materialien für Brennnesseljauche
- Etwa 1 kg frische Brennnesseln, möglichst vor der Samenbildung
- 10 Liter Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser
- Kunststoff-, Holz- oder Steingutgefäß mit mindestens 12 bis 15 Litern Volumen
- Handschuhe und Gartenschere für die Ernte
- Holzstab zum täglichen Umrühren
- Gitter oder locker aufliegender Deckel als Abdeckung
- Sieb oder alter Stoffbeutel zum Abseihen
- Optional Gesteinsmehl zur Geruchsbindung
Verwende möglichst kein Metallgefäß. Säuren und Gärungsprodukte können mit dem Material reagieren. Das Gefäß darf während der Gärung außerdem nicht luftdicht verschlossen sein, weil entstehende Gase entweichen müssen.

Brennnesseljauche ansetzen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Brennnesseln ernten: Zieh Handschuhe an und schneide junge, gesunde Triebe. Ernte möglichst vor der Samenreife, damit du später keine Brennnesselsamen im Garten verteilst.
- Pflanzen zerkleinern: Schneide Blätter und Stängel in ungefähr 5 bis 10 cm lange Stücke. Dadurch vergrößert sich die Oberfläche und die Gärung kommt schneller in Gang.
- Gefäß befüllen: Gib 1 kg Brennnesseln in das Gefäß und gieße 10 Liter Wasser darüber. Lass nach oben ausreichend Platz, denn die Mischung schäumt während der Gärung.
- Locker abdecken: Ein Gitter oder ein nicht dicht schließender Deckel hält Tiere und groben Schmutz fern. Stelle den Behälter warm und geschützt auf, aber nicht direkt neben Sitzplatz, Tür oder Fenster.
- Täglich umrühren: Rühre die Mischung einmal am Tag kräftig durch. Das versorgt sie mit Sauerstoff und unterstützt einen gleichmäßigen Gärverlauf.
- Jauche abseihen: Wenn die Gärung beendet ist, filterst du die Flüssigkeit durch ein Sieb oder einen Stoffbeutel. Die Pflanzenreste kannst du dünn auf dem Kompost verteilen.

Wie lange muss Brennnesseljauche ziehen?
Bei warmem Wetter ist Brennnesseljauche häufig nach 10 bis 14 Tagen fertig. Bei kühleren Temperaturen kann die Gärung länger dauern. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Zahl der Tage, sondern das Aussehen der Mischung.
Woran erkennst du, dass Brennnesseljauche fertig ist?
Zu Beginn steigen viele Bläschen auf und es bildet sich Schaum. Die fertige Jauche ist dunkel, die Pflanzenteile sind weitgehend zerfallen und beim Umrühren entstehen kaum noch neue Blasen. Der kräftige Geruch bleibt normal.
Was hilft gegen den Geruch?
Stelle das Gefäß mit Abstand zu Wohnbereichen auf und rühre täglich um. Eine dünne Schicht Gesteinsmehl kann den Geruch binden. Gib zunächst nur eine kleine Menge auf die Oberfläche und ergänze bei Bedarf. Verschließe gärende Jauche niemals luftdicht.
Brennnesseljauche verdünnen: Dosierung und Anwendung
Unverdünnte, vollständig vergorene Brennnesseljauche ist für die meisten Pflanzen zu konzentriert. Gieße sie deshalb nie direkt an Wurzeln oder auf trockene Erde. Die folgende Tabelle dient als praktische Orientierung:
| Einsatzgebiet | Mischverhältnis | Anwendung |
|---|---|---|
| Etablierte Starkzehrer | 1:10 | 1 Liter Jauche mit 10 Litern Wasser mischen und an den Wurzelbereich gießen |
| Kübelpflanzen und empfindlichere Pflanzen | 1:20 | 0,5 Liter Jauche mit 10 Litern Wasser mischen |
| Rasen in der Wachstumszeit | 1:20 | Gleichmäßig auf bereits feuchtem Boden verteilen |
| Jungpflanzen und Keimlinge | Nicht anwenden | Zunächst auf einen milderen Dünger verzichten oder sehr vorsichtig düngen |
| Blattläuse | Keine reife Jauche | Stattdessen einen kurzen Brennnesselauszug verwenden |
- Gieße vorzugsweise morgens oder abends und nicht in der Mittagshitze.
- Feuchte sehr trockenen Boden vorher mit klarem Wasser an.
- Gib die Mischung direkt an den Wurzelbereich und möglichst nicht über Blätter und Früchte.
- Eine Anwendung alle ein bis zwei Wochen reicht für die meisten Starkzehrer.
- Beobachte die Pflanzen: Sehr weiche, dunkelgrüne Triebe können auf zu viel Stickstoff hindeuten.

Für welche Pflanzen eignet sich Brennnesseljauche?
Am besten eignet sich Brennnesseljauche für Starkzehrer und andere Pflanzen, die während der Wachstumsphase einen erhöhten Stickstoffbedarf haben. Wie häufig du düngst, hängt trotzdem von Boden, Standort, Kulturphase und bisheriger Nährstoffversorgung ab.
| Pflanze | Eignung und Anwendung |
|---|---|
| Tomaten | Gut geeignet; meist 1:10 während des kräftigen Wachstums |
| Gurken | Gut geeignet; regelmäßig, aber nicht auf völlig trockenen Boden geben |
| Zucchini und Kürbis | Gut geeignet für das starke Blatt- und Triebwachstum |
| Kohlarten | Gut geeignet, besonders in der Hauptwachstumszeit |
| Rosen und kräftige Stauden | In der Wachstumsphase maßvoll 1:10 bis 1:20 anwenden |
| Rasen | Stark verdünnt und gleichmäßig ausbringen |
| Zimmer- und Kübelpflanzen | Nur geruchsarm gelagert, sparsam und mindestens 1:20 verwenden |
Brennnesseljauche für Tomaten
Tomaten profitieren während des Wachstums von der stickstoffreichen Jauche. Gieße die verdünnte Mischung an den Boden und nicht über die Blätter. Sobald die Fruchtbildung im Vordergrund steht, sollte die weitere Nährstoffversorgung auch ausreichend Kalium berücksichtigen. Weitere Hinweise findest du in unserer Anleitung zur Tomatenpflanzen-Pflege.
Brennnesseljauche für Gurken
Auch Gurken gehören zu den Starkzehrern. Verwende die Jauche verdünnt und vermeide starke Schwankungen zwischen völlig trockenem und sehr nassem Boden. Für den Anbau unter Glas empfehlen wir zusätzlich den Ratgeber Gurken im Gewächshaus.
Brennnesseljauche für Rosen, Stauden und Rasen
Rosen und kräftig wachsende Stauden kannst du im Frühjahr und Frühsommer maßvoll düngen. Beim Rasen verteilst du eine stark verdünnte Mischung gleichmäßig. Verwende die Jauche nicht spät im Jahr in großen Mengen, damit neue Triebe vor dem Winter ausreifen können.
Dieser Beitrag ist auch als Video verfügbar:
Welche Pflanzen vertragen Brennnesseljauche nicht?
Bohnen, Erbsen, Zwiebeln und Knoblauch benötigen in der Regel keine stark stickstoffbetonte Jauche. Auch mediterrane Kräuter aus mageren Standorten sowie frisch gekeimte Jungpflanzen können auf eine zu hohe Dosierung empfindlich reagieren.
Bei der Anzucht ist weniger Dünger meist besser. Warte, bis die Pflanzen gut eingewurzelt sind. Grundlagen zu Keimung und erster Pflege findest du im Beitrag Samen richtig einpflanzen.
Brennnesseljauche gegen Blattläuse: Jauche oder Auszug?
Für die Suche nach einem natürlichen Mittel gegen Blattläuse ist die Unterscheidung wichtig: Die 10 bis 14 Tage vergorene Jauche dient vor allem als Dünger. Für Blattläuse wird häufiger ein frischer Brennnesselauszug hergestellt. Dafür lässt du Brennnesseln nur ungefähr 12 bis 24 Stunden in kaltem Wasser ziehen und seihst die Flüssigkeit anschließend ab.
Teste den Auszug zuerst an wenigen Blättern und spritze nicht bei starker Sonne. Eine einzelne Anwendung löst einen starken Befall selten vollständig. Kontrolliere deshalb auch Blattunterseiten, entferne stark befallene Triebspitzen und fördere Nützlinge.
Ist Brennnesseljauche verboten?
Ob du Brennnesseljauche ansetzen darfst, kann von der Hausordnung, den Regeln eines Kleingartenvereins und örtlichen Vorgaben abhängen. Prüfe deshalb die Regeln vor Ort und stelle den Behälter so auf, dass Nachbarn möglichst wenig beeinträchtigt werden.
Im geschlossenen Gewächshaus ist die Geruchsbelastung besonders unangenehm. Stelle die Jauche besser im Freien her und achte beim Einsatz unter Glas auf gute Lüftung. Weitere Hinweise findest du bei den häufigsten Fehlern im Gewächshaus.
Wie lange ist Brennnesseljauche haltbar?
Abgeseihte, fertig vergorene Brennnesseljauche lässt sich kühl, schattig und abgedeckt mehrere Monate aufbewahren. Verwende ein geeignetes Kunststoff- oder Steingutgefäß und beschrifte es deutlich. Solange die Jauche noch nachgärt, muss Gas entweichen können.
Rühre gelagerte Jauche gelegentlich um und kontrolliere sie vor der Verwendung. Bereite lieber eine überschaubare Menge für die Gartensaison zu, statt sehr große Vorräte anzulegen.
Häufige Fehler beim Herstellen und Düngen
- Falsches Gefäß: Metallbehälter sind für die Gärung ungeeignet.
- Luftdicht verschlossen: Während der Gärung müssen Gase entweichen können.
- Zu wenig Platz: Ein randvoller Behälter läuft beim Aufschäumen schnell über.
- Nicht verdünnt: Konzentrierte Jauche kann Wurzeln und Blätter schädigen.
- Zu häufig gedüngt: Übermäßiger Stickstoff führt zu weichem Wachstum und kann Pflanzen anfälliger machen.
- In der Sonne angewendet: Gieße oder spritze nicht während der heißen Mittagsstunden.
- Für jede Pflanze verwendet: Schwachzehrer, Leguminosen und Jungpflanzen brauchen deutlich weniger oder keine Jauche.
Fazit: Brennnesseljauche richtig herstellen und anwenden
Brennnesseljauche ist ein unkomplizierter Flüssigdünger für viele Starkzehrer. Mit dem Grundrezept aus 1 kg Brennnesseln und 10 Litern Wasser, täglichem Umrühren und einer Gärzeit von etwa zwei Wochen kannst du sie leicht selbst herstellen. Entscheidend sind die richtige Verdünnung, eine maßvolle Anwendung und die Auswahl geeigneter Pflanzen.
Wenn du sauber zwischen vergorener Jauche und kurzem Brennnesselauszug unterscheidest, vermeidest du außerdem falsche Anwendungen bei Blattläusen. So nutzt du Brennnesseln sinnvoll im Garten, ohne Pflanzen durch eine zu hohe Konzentration zu belasten.
FAQ: Häufige Fragen zu Brennnesseljauche
Wie oft sollte man mit Brennnesseljauche düngen?
Bei kräftig wachsenden Starkzehrern genügt meist eine verdünnte Gabe alle ein bis zwei Wochen. Passe die Häufigkeit an Boden, Wetter und Zustand der Pflanze an.
Muss man Regenwasser verwenden?
Regenwasser ist ideal, weil es meist weich ist. Abgestandenes Leitungswasser funktioniert ebenfalls.
Kann man Brennnesseljauche für Zimmerpflanzen verwenden?
Grundsätzlich ja, aber nur stark verdünnt und sehr sparsam. Wegen des Geruchs ist ein anderer organischer Flüssigdünger in Wohnräumen oft praktischer.
Was passiert mit den Brennnesselresten?
Die abgeseihten Pflanzenreste kannst du dünn auf den Kompost geben oder als Mulch unter geeigneten Starkzehrern verteilen.
Warum sollte das Gefäß nicht aus Metall sein?
Während der Gärung entstehen Stoffe, die mit Metall reagieren können. Kunststoff, Holz oder Steingut sind deshalb die bessere Wahl.



