Einmal im Jahr kommt in jeder Wohnung der Moment, an dem das normale Putzen nicht mehr ausreicht. Die Fugen im Bad sind grau, der Kalk am Wasserhahn lässt sich nicht mehr wegwischen, und auf dem Küchenboden klebt ein feiner Film, der trotz Wischen wiederkommt. Das ist der Punkt, an dem aus normalem Putzen eine Grundreinigung wird. Und manchmal der Punkt, an dem sich der Profi lohnt.
Als Gebäudereinigermeister werde ich oft gefragt: Wann reicht der Lappen, und wann muss mehr passieren? Hier die ehrliche Antwort, mit der Reihenfolge, die wir auch im Betrieb nutzen.
Unterhaltsreinigung oder Grundreinigung?
Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden. Die Unterhaltsreinigung ist das, was die meisten unter Putzen verstehen: das regelmäßige Sauberhalten, Boden wischen, Staub wischen, Bad in Schuss halten. Die Grundreinigung ist die große Generalreinigung in größeren Abständen, meist halb- bis einmal jährlich. Sie entfernt den festsitzenden Schmutz und die abgenutzten Pflegefilme, an die man im Alltag nicht herankommt.
Kurz gesagt: Die Unterhaltsreinigung hält den Zustand, die Grundreinigung stellt ihn wieder her.

Die Profi-Reihenfolge: von oben nach unten, trocken vor nass

Der häufigste Fehler beim Großputz ist die falsche Reihenfolge. Wer zuerst den Boden wischt und danach die Regale abstaubt, darf den Boden gleich noch einmal wischen. Profis arbeiten deshalb nach zwei einfachen Regeln: von oben nach unten und trocken vor nass.
- Erst freiräumen. Auf leeren Flächen reinigt es sich doppelt so schnell.
- Trockener Schmutz zuerst. Spinnweben, Staub, Krümel erst kehren oder saugen, dann feucht arbeiten. Sonst wird aus Staub und Wasser nur Schmierfilm.
- Von oben nach unten. Erst Schränke, Lampen und Regale, zuletzt der Boden. So fällt aller Staub nach unten auf die noch ungereinigte Fläche.
- Raum für Raum statt Aufgabe für Aufgabe. Ein Zimmer komplett fertigmachen, dann das nächste. Das hält Überblick und Motivation.
Für hartnäckige Böden lohnt die Zwei-Stufen-Wischtechnik, also erst die Reinigungslösung auftragen und kurz einwirken lassen, dann mit einem zweiten, sauberen Bezug den gelösten Schmutz aufnehmen. So bleiben sauberes und schmutziges Wasser getrennt, und die Fläche wird wirklich sauber statt nur feucht verteilt.
Das richtige Mittel: sauer gegen Kalk, alkalisch gegen Fett
Beim Großputz greifen viele zu einem Allzweckreiniger für alles. Dabei entscheidet der pH-Wert über das Ergebnis. Saure Reiniger lösen Kalk und Rost, sie gehören ins Bad an Armaturen und Fliesen. Alkalische Reiniger lösen Fett und Eingebranntes, ihr Platz ist in der Küche. Dazwischen liegt der Neutralreiniger für empfindliche Flächen.
Eine Faustregel, die immer hilft: sauer gegen Kalk, alkalisch gegen Fett. Wichtig dabei: Säure niemals auf Naturstein wie Marmor, sie ätzt matte Flecken, die nicht mehr weggehen.
Meister-Tipps: die typischen Fehler

Viel hilft viel? Beim Reiniger leider nicht. Zu viel Mittel hinterlässt einen klebrigen Film, der neuen Schmutz geradezu anzieht. Wir nennen das Wiederanschmutzung: Die Fläche ist schneller wieder dreckig als vorher. Lieber richtig dosieren und gründlich nachwischen.
Und ein zweiter Klassiker: ein Tuch für die ganze Wohnung. Wer mit demselben Lappen erst das Bad und dann die Küche wischt, verteilt Keime, statt sie zu entfernen. Mindestens ein eigenes Tuch je Bereich, dann bleibt jeder Raum für sich.
Extratipp vom Meister: Waschen Sie Ihre Mikrofasertücher nie mit Weichspüler. Der Weichspüler legt einen feinen Film um die Fasern und zerstört genau die Greifkraft, die ein Mikrofasertuch so stark macht. Danach schmiert das Tuch nur noch, statt aufzunehmen. Einfach ohne Weichspüler waschen, dann hält es lange und nimmt zuverlässig auf.
Wann sich der Profi lohnt
Vieles lässt sich gut selbst machen. Den Profi holt man sinnvoll dazu, wenn es um Zeit, Sicherheit oder ein bestimmtes Ergebnis geht:
- beim Auszug, wenn die Kaution an einer sauberen Übergabe hängt
- bei festsitzendem Kalk, vergilbten Fugen oder Böden mit altem Pflegefilm
- bei großen Fensterfronten oder schwer erreichbaren Stellen
- einmal im Jahr als gründliche Grundreinigung, die den Alltag danach leichter macht
Wer hier auf Nummer sicher gehen will, ist mit einem Fachbetrieb gut beraten.
Fazit
Eine Grundreinigung ist kein Hexenwerk, wenn die Reihenfolge stimmt: von oben nach unten, trocken vor nass, das richtige Mittel für die richtige Fläche. Den Rest macht Regelmäßigkeit. Und wenn die Zeit fehlt oder das Ergebnis zählt, ist der Profi kein Luxus, sondern oft die günstigere Lösung.

Ewgeni Jussufov





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