Startseite Tiere Schädlinge Schädlingsalarm im Winter: Warum Zimmerpflanzen jetzt besonders gefährdet sind

Schädlingsalarm im Winter: Warum Zimmerpflanzen jetzt besonders gefährdet sind

Veröffentlicht am 24 Feb., 2026

In der kalten Jahreszeit beobachten viele Pflanzenbesitzer ein scheinbares Paradoxon. Obwohl die Gewächse im Haus vor Frost geschützt sind, kränkeln sie häufig und zeigen Symptome wie trockene Blätter, klebrige Rückstände oder feine Gespinste. Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist dies meist nicht die Folge mangelnder Hygiene oder minderwertiger Erde. Vielmehr resultiert das Problem aus einer ungünstigen Kombination aus der natürlichen winterlichen Ruhephase der Pflanzen und den gleichzeitig optimalen Lebensbedingungen für diverse Parasiten in unseren Wohnräumen.

Diesen Artikel als Video anschauen:

Die Ursache: Stress durch Lichtmangel und Heizungsluft

Der Winter stellt für Zimmerpflanzen eine erhebliche physiologische Herausforderung dar. Durch die kürzeren Tage wird die Fotosynthese drastisch reduziert, was die Energieproduktion einschränkt und die Pflanze in eine Ruhephase zwingt. Gleichzeitig sorgt die eingeschaltete Heizung für eine extrem niedrige Luftfeuchtigkeit, die oft nur zwischen 20 % und 30 % liegt. Da viele Zimmerpflanzen ursprünglich aus tropischen Regionen stammen und eine Feuchtigkeit von bis zu 90 % benötigen würden, führt dieser Kontrast zu erheblichem biologischem Stress. Die geschwächten Abwehrkräfte machen die Pflanze zu einem leichten Ziel für Schädlinge, welche die trockene Wärme zur rasanten Vermehrung nutzen.

Spinnmilben als Profiteure der Trockenheit

Spinnmilben gehören zu den häufigsten Plagegeistern im Winter und sind aufgrund ihrer geringen Größe meist erst spät zu erkennen. Erste Anzeichen eines Befalls sind winzige helle Punkte auf den Blattoberflächen, die durch das Anstechen und Aussaugen der Pflanzenzellen entstehen. In der trockenen Heizungsluft vermehren sie sich explosionsartig und bilden bei fortgeschrittenem Befall deutlich sichtbare, feine Gespinste.

Um Spinnmilben wirksam zu bekämpfen, hilft zunächst eine mechanische Reinigung durch lauwarmes Abduschen, was die Milben entfernt und die Blattporen befreit. Auf biologischer Ebene hat sich ein Gemisch aus Wasser, einem Spritzer Pflanzenöl und Schmierseife bewährt, da dieses die Atemwege der Tiere verklebt. Auch der Einsatz von Neemöl ist sehr effektiv, wobei darauf zu achten ist, die Behandlung nicht bei direkter Sonneneinstrahlung durchzuführen, um Blattschäden zu vermeiden.

Shutterstock Spinnmilben sind sehr kleine Tiere, weshalb sie schwer zu entdecken sind.

Trauermücken als Folge falscher Bewässerung

Ein weiteres bekanntes Problem sind Trauermücken, die als kleine schwarze Fliegen um die Blumentöpfe schwirren. Während die adulten Tiere primär lästig sind, stellen ihre Larven in der Erde eine ernsthafte Gefahr dar, da sie die Wurzeln – besonders die von Jungpflanzen – schädigen. Da Pflanzen im Winter deutlich weniger Wasser benötigen, bleibt das Substrat bei herkömmlichen Gießgewohnheiten oft dauerhaft zu feucht, was ideale Brutbedingungen schafft.

Zur Prävention sollte die oberste Erdschicht vor jedem Gießen mindestens drei Zentimeter tief durchtrocknen. Biologisch lassen sich die Larven effektiv mit nützlichen Nematoden im Gießwasser bekämpfen. Zusätzlich kann eine Schicht Quarzsand auf der Erde die Eiablage verhindern. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann neue Erde vor der Verwendung im Backofen bei 200 °C für etwa 20 Minuten sterilisieren, um potenzielle Eier und Larven vorab abzutöten.

Shutterstock Auch Trauermücken können im Alltag lästige Mitbewohner auf Zimmerpflanzen sein.

Schildläuse als robuste Überwinterer

Schildläuse sind besonders zäh, da sie durch einen harten Wachspanzer vor äußeren Einflüssen geschützt sind. Sie sitzen meist unbeweglich an Stängeln oder Blattadern und nutzen den langsamen Saftfluss der ruhenden Pflanze aus. Ein charakteristisches Symptom ist der klebrige Honigtau, den sie ausscheiden und der häufig einen Nährboden für Rußtaupilze bildet.

Da herkömmliche Sprays am Panzer oft abperlen, ist bei der Bekämpfung Geduld gefragt. Einzelne Tiere können manuell mit einer Zahnbürste oder einem in Alkohol getauchten Wattestäbchen entfernt werden. Zudem helfen ölhaltige Mittel, welche die Atemöffnungen unter dem Schild verschließen. Da Schildläuse kontinuierlich Eier legen, muss die Behandlung zwingend mehrfach wiederholt werden, um auch die nachfolgenden Generationen zu erfassen.

Shutterstock Die Bekämpfung von Schildläusen fordert Geduld und Ausdauer.

Strategien zur Prävention und Standortwahl

Um einen Befall von vornherein zu verhindern, sollten die Haltungsbedingungen im Winter gezielt optimiert werden. Das Gießverhalten muss unbedingt an den reduzierten Bedarf angepasst werden, sodass nur bei tatsächlicher Trockenheit gewässert wird. Die Luftfeuchtigkeit lässt sich durch Wasserschalen auf den Heizungen oder regelmäßiges Besprühen steigern. Zudem stärkt ein heller Platz direkt am Fenster oder der Einsatz von Pflanzenlampen die Vitalität der Gewächse. Ein eher kühlerer Standort ohne Zugluft ist oft vorteilhaft, da dies die Stoffwechselaktivität der Schädlinge bremst. Sollte eine Pflanze trotz aller Bemühungen massiv befallen bleiben, ist es zum Schutz des restlichen Bestandes ratsam, sich von ihr zu trennen.

Avatar-Foto
+ posts

Bereits als Kind hat Tobias Hertzog den Garten und die Natur geliebt. Mit seinem Fachwissen über Pflanzen und seinen kreativen Ideen zur Gartengestaltung bereichert er das Team immer wieder. Außerdem, begeistert er sich, genau wie Ferdinand Zankl, für alles rund um Chili und ist regelmäßig bei allerlei Tastings auf dessen YouTube-Kanal zu sehen.

War dieser Beitrag hilfreich?

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Pin It on Pinterest